Verspannter Beckenboden: 6 Anzeichen und wie du ihn entspannst

Verspannter Beckenboden: 6 Anzeichen, dass dein Beckenboden Entspannung braucht

Du hältst deinen Beckenboden für schwach und trainierst ihn deshalb immer härter. Du machst fleißig deine Beckenbodenübungen, spannst bewusst an und versuchst, deine Körpermitte zu stärken. Doch deine Beschwerden werden einfach nicht besser? Vielleicht liegt das Problem gar nicht darin, dass dein Beckenboden zu schwach ist. Vielleicht ist er zu angespannt.

Ein Beckenboden, der dauerhaft unter Spannung steht, kann seine eigentlichen Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen. Dazu gehört nämlich nicht nur, dass er sich kräftig anspannen kann. Er muss genauso gut wieder loslassen können.

In diesem Artikel zeige ich dir sechs Anzeichen, die auf einen verspannten oder überaktiven Beckenboden hinweisen können. Außerdem erfährst du, warum mehr Beckenbodentraining nicht immer die richtige Lösung ist und wie du deinen Beckenboden entspannen kannst.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische oder physiotherapeutische Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Die beschriebenen Symptome können Hinweise auf einen überaktiven bzw. verspannten Beckenboden sein, stellen jedoch keine Diagnose dar. Sie können auch andere Ursachen haben. Wenn du entsprechende Beschwerden bei dir bemerkst, lass diese bitte ärztlich oder durch eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapeutin abklären.

 

Was bedeutet ein verspannter Beckenboden überhaupt?

Unser Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe, die den unteren Abschluss unseres Beckens nach unten bilden. Er stützt unsere Beckenorgane, hilft dabei, Urin und Stuhl zu halten und spielt eine wichtige Rolle bei der Sexualfunktion. Außerdem muss der Beckenboden entspannen können – für Toilettengang, penetrativen Sex und die Geburt.

Damit er diese Aufgaben erfüllen kann, muss er verschiedene Fähigkeiten mitbringen:

  • Er muss sich bewusst anspannen und Kraft entwickeln können.
  • Er muss nach einer Anspannung wieder vollständig loslassen können.
  • Er muss auf unterschiedliche Belastungen reagieren und sich anpassen können.
  • Er muss sich bei Bedarf dehnen und nachgeben können.

Ein gesunder Beckenboden ist also nicht einfach nur ein möglichst kräftiger Beckenboden, er reguliert seine Spannung angepasst an die Situation.

Bei einem überaktiven oder verspannten Beckenboden ist die Grundspannung der Muskulatur häufig erhöht. Die Muskeln können nicht mehr ausreichend entspannen. Teilweise fällt es den betroffenen Frauen sogar schwer, die Muskulatur überhaupt bewusst loszulassen.

Das kann verschiedene Beschwerden verursachen. Besonders häufig betreffen diese die Blasen- und Darmentleerung, die Sexualfunktion und den Beckenbereich.

Wichtig: Eine erhöhte Muskelspannung lässt sich nicht allein anhand von Symptomen feststellen. Die folgenden Anzeichen können Hinweise darauf sein, sind aber keine Diagnose. Auch andere Ursachen kommen infrage.

 

6 Anzeichen, die auf einen verspannten Beckenboden hinweisen können

1. Du möchtest Pipi machen, aber es kommt erstmal nichts

Du sitzt auf der Toilette, spürst, dass deine Blase voll ist, aber der Urinstrahl lässt auf sich warten? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass dein Beckenboden nicht ausreichend entspannen kann. Damit du deine Blase entleeren kannst, muss sich die Beckenbodenmuskulatur einschließlich der Schließmuskulatur koordinieren und loslassen. Ist die Muskulatur dauerhaft angespannt oder arbeitet sie beim Wasserlassen nicht richtig mit, kann es zu Schwierigkeiten beim Starten des Urinstrahls kommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer erschwerten Miktion. Natürlich können dahinter auch andere Ursachen stecken. Beispielsweise Veränderungen im Bereich der Harnwege, neurologische Probleme oder bestimmte Medikamente. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung bei Urolog*in oder Gynäkolog*in sinnvoll.

2. Du hast das Gefühl, dass deine Blase nach dem Toilettengang nicht vollständig leer ist

Du warst gerade auf der Toilette, stehst auf und hast trotzdem das Gefühl, dass noch etwas in deiner Blase ist? Vielleicht stehst du auf und es tröpfelt noch etwas nach. Auch dieses Gefühl kann mit einem überaktiven Beckenboden zusammenhängen. Wenn sich die Muskulatur beim Wasserlassen nicht ausreichend entspannt, kann die Blasenentleerung erschwert sein. Manche Frauen berichten deshalb von einem unvollständigen Entleerungsgefühl oder müssen kurze Zeit später erneut zur Toilette.

Wichtig ist hier die Unterscheidung: Das Gefühl, dass die Blase nicht vollständig leer ist, bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich Restharn in der Blase verbleibt. Das lässt sich bei Bedarf medizinisch durch eine Ultraschalluntersuchung nach dem Wasserlassen überprüfen. Eine andere Ursache kann auch eine Blasensenkung sein. Deshalb rate ich dir unbedingt, das ärztlich abklären zu lassen, wenn du regelmäßig Schwierigkeiten mit der Blasenentleerung hast.

3. Du hast Verstopfung oder musst beim Stuhlgang pressen

Ein Punkt, den viele Frauen gar nicht mit ihrem Beckenboden in Verbindung bringen, ist die Verdauung.

Unser Beckenboden ist nämlich auch an der Darmentleerung beteiligt. Damit der Stuhl problemlos ausgeschieden werden kann, muss sich die Muskulatur im Beckenboden entspannen und den Weg freigeben. Kann sie das nicht ausreichend, kann die Entleerung erschwert sein. Du hast vielleicht das Gefühl, dass der Stuhl nicht richtig herauskommt, musst stark pressen oder sitzt ungewöhnlich lange auf der Toilette.

Auch Verstopfung kann in diesem Zusammenhang auftreten.

Es entsteht manchmal ein regelrechter Kreislauf: Weil die Darmentleerung schwierig ist, wird stärker gepresst. Das kann die Beschwerden wiederum verstärken.

Allerdings ist nicht jede Verstopfung auf einen verspannten Beckenboden zurückzuführen. Auch Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Medikamente oder Erkrankungen des Verdauungstrakts können eine Rolle spielen. Ein kleiner Tipp für deinen nächsten Toilettengang: Stelle deine Füße auf einen kleinen Hocker, sodass deine Knie etwas höher stehen als deine Hüfte. Lass dir Zeit und versuche, nicht aktiv zu pressen. Stattdessen versuche besser, über eine Ausatmung den Darminhalt nach außen zu schieben.

4. Du hast Schmerzen am Steißbein

Steißbeinschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Neben Verletzungen, Narbenbildung durch einen Dammriss,  längeren Sitzphasen oder Problemen im Bereich der Wirbelsäule kann auch die Beckenbodenmuskulatur beteiligt sein.

Einige Muskeln des Beckenbodens setzen direkt am Steißbein an. Ist die Muskulatur dort dauerhaft angespannt oder druckempfindlich, kann das zu Schmerzen im Bereich des Steißbeins führen. Manche Frauen spüren die Beschwerden vor allem beim Sitzen, andere beim Aufstehen oder bei bestimmten Bewegungen.

Gerade wenn die Schmerzen länger bestehen oder immer wiederkehren, lohnt sich eine genauere Untersuchung. Dabei sollte nicht nur das Steißbein selbst betrachtet werden, sondern auch die umliegende Muskulatur und der gesamte Beckenbereich.

5. Du hast Schmerzen beim penetrativen Sex

Schmerzen beim Sex sind nicht normal und sollten nicht einfach hingenommen werden. Auch ein Glas Wein zur Entspannung – das leider immer noch empfohlen wird mancherorts – ist keine Lösung! Wenn du beim Eindringen Schmerzen verspürst, kann auch ein überaktiver Beckenboden dahinterstecken. Die Beckenbodenmuskulatur muss sich beim penetrativen Sex anpassen und ausreichend nachgeben können. Ist sie dauerhaft angespannt, kann die Dehnung unangenehm oder sogar schmerzhaft sein. Manche Frauen beschreiben das Gefühl, als würde der Körper regelrecht zumachen.

Allerdings gibt es viele weitere mögliche Ursachen für Schmerzen beim Sex. Dazu gehören beispielsweise Endometriose, Vulvodynie, hormonell bedingte Veränderungen der Schleimhäute oder Narben nach Geburtsverletzungen.

Deshalb ist es wichtig, die Beschwerden nicht nur auf einen verspannten Beckenboden zu schieben. Eine gynäkologische Untersuchung und gegebenenfalls eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie können helfen, die Ursache einzugrenzen und anzugehen.

6. Du hast Schmerzen im Bereich des ISG, der Symphyse oder eine steife Hüfte

Du hast immer wieder Schmerzen im unteren Rücken, im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) oder am Schambein? Deine Hüfte fühlt sich unbeweglich an und du hast das Gefühl, dass du dich nicht richtig frei bewegen kannst? Auch hier kann die Beckenbodenmuskulatur eine Rolle spielen.

Der Beckenboden arbeitet nicht isoliert. Er ist Teil eines komplexen Zusammenspiels mit der Bauchmuskulatur, dem Zwerchfell und der Rückenmuskulatur. Auch die Hüft- und Beckenmuskulatur steht in enger funktioneller Verbindung mit ihm.

Eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung kann deshalb mit Beschwerden im Becken- und Hüftbereich einhergehen. Besonders bei chronischen Beckenschmerzen werden Zusammenhänge zwischen überaktiver Beckenbodenmuskulatur und Schmerzen im unteren Rücken oder in der Hüftregion beschrieben.

Allerdings sind Schmerzen am ISG oder an der Symphyse und eine eingeschränkte Hüftbeweglichkeit keine spezifischen Anzeichen für einen verspannten Beckenboden. Hier kommen auch orthopädische, gelenkbezogene oder andere muskuläre Ursachen infrage.

 

Warum mehr Beckenbodentraining nicht immer die Lösung ist

Wenn du Beschwerden mit deinem Beckenboden hast, liegt der Gedanke nahe, dass du ihn kräftigen musst. Schließlich hört man überall, wie wichtig ein starker Beckenboden ist.

Und ja, Beckenbodentraining kann sehr sinnvoll sein. Es ist aber nicht automatisch die richtige Maßnahme für jede Frau und jede Beschwerde.

Stell dir vor, du hast einen Muskel, der bereits dauerhaft angespannt ist. Wenn du diesen Muskel immer wieder zusätzlich anspannst, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, sich ausreichend zu entspannen, kann das die Problematik verstärken.

Genau das kann bei einem überaktiven Beckenboden passieren.

Reine Kegelübungen, bei denen du deinen Beckenboden bewusst anspannst und wieder loslässt, sind dann möglicherweise nicht zielführend. Zunächst muss die Fähigkeit zur Entspannung wieder verbessert werden.

Das bedeutet nicht, dass du deinen Beckenboden grundsätzlich nicht mehr kräftigen darfst. Es bedeutet, dass du zunächst herausfinden solltest, was dein Beckenboden tatsächlich braucht.

Beckenboden entspannen: Was kannst du tun?

Wenn du mehrere der genannten Beschwerden bei dir wiedererkennst, würde ich dir empfehlen, genauer hinzuschauen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Entspannungsfähigkeit deines Beckenbodens zu unterstützen. Entscheidend ist, dass du nicht einfach wahllos Übungen ausprobierst, sondern herausfindest, was zu deinen Beschwerden passt.

1. Lass deinen Beckenboden untersuchen

Mein erster Tipp ist eine Untersuchung bei einer spezialisierten Beckenbodenphysiotherapeutin, beispielsweise einer Physio Pelvica Therapeutin. Sie kann beurteilen, wie dein Beckenboden arbeitet, ob eine erhöhte Muskelspannung vorliegt und ob du deine Muskulatur ausreichend entspannen kannst.

Dabei geht es nicht nur darum, wie kräftig dein Beckenboden ist. Auch die Koordination, die Beweglichkeit und die Fähigkeit zum Loslassen spielen eine wichtige Rolle.

Je nach Beschwerden kann zusätzlich eine ärztliche Abklärung sinnvoll oder notwendig sein. Insbesondere bei Schwierigkeiten mit der Blasenentleerung, anhaltenden Schmerzen oder Verdauungsproblemen solltest du nicht ausschließlich auf Übungen setzen, sondern auch ein*e Ärzt*in zu Rate ziehen. Gynäkolog* in oder Urolog*in sind da die richtige Anlaufstelle.

2. Achte auf dein allgemeines Stresslevel

Unser Beckenboden reagiert auch auf Stress und Anspannung. Wenn du im Alltag ständig unter Strom stehst, weil du Arbeit, Haushalt und Kinder jonglierst, wenig Pausen machst und Schwierigkeiten hast, zur Ruhe zu kommen, kann sich das auf deine Muskelspannung auswirken.

Das bedeutet nicht, dass Stress automatisch einen verspannten Beckenboden verursacht. Er kann aber ein Faktor sein, der bestehende Beschwerden verstärkt.

Versuche deshalb, bewusste Ruhephasen in deinen Alltag einzubauen. Gerade wenn du viel Verantwortung trägst und dich zwischen Familie, Beruf und Alltag aufreibst, ist das nicht immer einfach. Trotzdem ist es wichtig.

3. Nutze deine Atmung, um den Beckenboden zu entspannen

Eine Möglichkeit ist die bewusste Verbindung von Atmung und Beckenbodenbewegung. Nimm dir beispielsweise ein paar Minuten Zeit und lege dich bequem hin.

Beobachte zunächst deine Atmung. Versuche dann, mit der Einatmung deine Rippen in alle Richtungen weit werden zu lassen. Lass auch deinen Bauch weich werden. Mit der Einatmung bewegt sich das Zwerchfell nach unten. Der Beckenboden gibt dieser Bewegung normalerweise nach und senkt sich ebenfalls leicht ab. Bei der Ausatmung bewegt er sich wieder nach oben. Du musst dabei nichts aktiv nach unten drücken. Es geht vielmehr darum, die natürliche Bewegung wahrzunehmen und deinem Beckenboden die Möglichkeit zu geben, loszulassen.

4. Baue sanfte Bewegung und Mobilisation ein

Auch Mobilisationsübungen für Becken, Hüfte und Wirbelsäule können sinnvoll sein. Bewegungen wie Beckenkreisen oder die Mobilisation der Wirbelsäule können dir helfen, wieder mehr Beweglichkeit und Körperwahrnehmung zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, möglichst weit in eine Dehnung zu gehen oder einen bestimmten Muskel mit Gewalt zu lockern. Vielmehr sollst du dich wieder freier bewegen können. Bei den Frauen, die ich im Personal Training betreue, war es oft so, dass es nicht die eine Übung gab, die Linderung verschaffte. Es war oft die Kombination aus mehreren Bewegungen, die hilfreich war.

 

Häufige Fragen zum Thema Beckenboden entspannen

Woran erkenne ich, dass mein Beckenboden verspannt ist?

Mögliche Hinweise sind Schwierigkeiten beim Starten des Urinstrahls, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, Verstopfung, Schmerzen beim penetrativen Sex oder Schmerzen im Beckenbereich. Auch Schwierigkeiten, den Beckenboden bewusst loszulassen, können auf eine erhöhte Muskelspannung hindeuten. Diese Symptome sind allerdings keine Diagnose. Eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapeutin kann deinen Beckenboden untersuchen und seine Funktion beurteilen.

Welche Übungen helfen, den Beckenboden zu entspannen?

Die bewusste Verbindung von Atmung und Beckenbodenbewegung, Mobilisationsübungen für Becken und Hüfte sowie individuell angepasste Entspannungsübungen können hilfreich sein. Wichtig ist, dass du nicht aktiv nach unten presst. Ziel ist es, die natürliche Entspannungsfähigkeit deines Beckenbodens zu fördern.

Sollte ich bei einem verspannten Beckenboden auf Kegelübungen verzichten?

Wenn dein Beckenboden bereits eine erhöhte Grundspannung aufweist und Schwierigkeiten beim Loslassen hat, ist zusätzliches Anspannungstraining möglicherweise nicht der richtige erste Schritt. Zunächst sollte die Entspannungsfähigkeit verbessert werden. Ob und wann ein gezieltes Training mit Kegelübungen sinnvoll ist, hängt von deinem individuellen Befund ab.

Kann ein verspannter Beckenboden Inkontinenz verursachen?

Ja, eine überaktive Beckenbodenmuskulatur kann mit verschiedenen Blasenbeschwerden einhergehen. Dazu gehören beispielsweise ein erschwertes Wasserlassen, Harndrang oder auch Inkontinenz. Ein Beckenboden, der dauerhaft angespannt ist, kann unter Umständen nicht mehr angemessen auf Belastungen reagieren. Inkontinenz hat allerdings viele mögliche Ursachen und sollte entsprechend abgeklärt werden.

Fazit: Ein gesunder Beckenboden braucht beides

Ein starker Beckenboden ist nicht automatisch ein gesunder Beckenboden. Er muss nicht nur Kraft entwickeln können, sondern auch entspannen, nachgeben und sich an unterschiedliche Belastungen anpassen können.

Wenn du Schwierigkeiten beim Wasserlassen hast, unter Verstopfung leidest, Schmerzen beim Sex verspürst oder immer wieder Beschwerden im Becken- und Hüftbereich hast, kann eine erhöhte Muskelspannung eine mögliche Erklärung sein.

Das bedeutet aber nicht, dass diese Symptome automatisch auf einen verspannten Beckenboden zurückzuführen sind. Sie sind Hinweise, die du ernst nehmen solltest.

 

Du hast Fragen zu deinem Beckenboden oder möchtest wieder beschwerdefrei und belastbar trainieren?

Ich unterstütze dich gerne dabei, herauszufinden, wo du stehst und wie dein individuelles Training aussehen kann.

Melde dich gerne für ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Ich freue mich, von dir zu hören!

Deine Carina


Quellen und weiterführende Literatur

[1] Faubion SS, Shuster LT, Bharucha AE. Recognition and Management of Nonrelaxing Pelvic Floor Dysfunction. Mayo Clinic Proceedings. 2012;87(2):187–193. Zum Fachartikel

[2] Cleveland Clinic: Hypertonic Pelvic Floor. Zum medizinischen Überblick

[3] European Association of Urology: Guidelines on Chronic Pelvic Pain, Kapitel Management. Zu den Leitlinien

[4] Urologic Manifestations of Nonrelaxing Pelvic Floor Dysfunction: Insights on Clinical Workup and Management. 2025. Zum Fachartikel

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Viele Frauen leiden unter einer Blasensenkung – einige haben deshalb Symptome wie ein Schweregefühl im Vaginalbereich oder eine Inkontinenz beim lachen oder hüpfen, andere haben keine Symptome. Die Intensität der Beschwerden ist unabhängig vom Schweregrad der Senkung. D.h. eine leichte Senkung kann eine Frau stark beeinträchtigen, während eine andere Frau mit deutlicherer Senkung weniger oder keine Symptome zeigt. Mit gezieltem Beckenbodentraining und den richtigen Übungen für zu Hause kannst du deine Beschwerden lindern und deine Lebensqualität verbessern. In diesem Artikel geht es um Übungen, die du mit einer Zystozele machen kannst. Willst du mehr über die Ursachen wissen, lies diesen Blogbeitrag.

Was ist Beckenbodentraining?

Beckenbodentraining ist das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskelgruppe stützt die Organe im Unterleib, einschließlich Blase, Gebärmutter und Darm. Ein starker Beckenboden hilft, Inkontinenz vorzubeugen und die allgemeine Stabilität des Beckens zu verbessern. Sowohl Frauen als auch Männer können vom Beckenbodentraining profitieren. Durch das Anspannen und Entspannen der Beckenbodenmuskeln wird die Muskulatur gekräftigt.

Warum sind Übungen für die Blasensenkung wichtig?

Eine Organsenkung (POP – pelvic organ prolaps) hat verschiedene Ursachen, meist kann man nicht DIE EINE ausmachen. Häufig stellen Frauen sie aber nach einer vaginalen Geburt fest. Die Therapie einer POP ist multimodal  – von abwarten über Biofeedback, Pessartragen und Physio. Details erfährst du in diesem Blogartikel.

Übungen für die Blasensenkung sind wichtig, weil sie ein Teil der Therapie sind. Sie helfen, den Beckenboden zu stärken und können dazu beitragen, die Organe zu stabilisieren und Symptome zu mildern.

Allgemeine Tipps für effektives Training

Es gibt verschiedene Dinge, die du für ein effektives Beckenbodentraininghttps://pelveasy.de/warum-personal-training/ beachten solltest.

1) Du aktivierst den Beckenboden richtig

Der Beckenboden arbeitet immer nach innen oben, er macht eine schließende und hebende Bewegung. Das kannst du dir ungefähr vorstellen wie ein Zirkuszelt, das zunächst weit ausgebreitet auf dem Boden liegt und dann zum Aufbau nach oben gezogen und kleiner/enger wird. Falsch ist es, den Beckenboden bei der Anspannung nach außen zu drücken. Er spannt von den Sitzbeinhöckern über Schambein und Steißbein. Alle sollten sich in deinen Gedanken annähern, wenn du ihn anspannst. Es ist ein bisschen wie den Urinstrahl zu unterbrechen.

2) Du lässt bei Kegelübungen den Po locker

Viele Frauen spannen unbewusst die Gesäßmuskeln mit oder alleine an, wenn sie den Beckenboden aktivieren wollen. Diese sollten aber – zumindest bei den Kegelübungen – locker gelassen werden. 

3) Lieber kürzer und regelmäßig als einmal lang

„Ich habe keine Zeit fürs Training“ ist eine Aussage, die mir oft begegnet. In vielen Köpfen ist die Vorstellung, dass ein Training nur dann gut und richtig ist, wenn es ne Stunde dauert und man ordentlich geschwitzt hat. So dachte ich vor meiner ersten Geburt auch… Doch das Wichtigste ist Kontinuität. Mache lieber alle 2 Tage 15-20 Minuten was, als dass du dir einmal pro Woche eine Stunde freischaufelst und die restlichen Tage nichts tust.

Drei einfache Übungen für zu Hause

Die folgenden Übungen können ein Einstieg ins Beckenbodentraining sein. Du kannst sie machen, wenn du schwanger bist, aber auch schon im frühen Wochenbett, um deinen Beckenboden zu trainieren. Bedenke, dass dieser Blogbeitrag keine medizinische Beratung oder ähnliches darstellt. Solltest du Beschwerden haben oder bekommen, kontaktiere bitte deinen Frauenarzt bzw. deine Frauenärztin.

Übung 1: Kegel-Übungen

Kegel-Übungen sind die bekanntesten Beckenbodenübungen. Du kannst diese einfache Übung überall und jederzeit durchführen, ohne dass es jemand bemerkt. Du kannst sie an der Supermarktkasse oder beim Autofahren an der roten Ampel machen. Aber Achtung: sollte das dein einziges Training sein, wirst du damit bald an Grenzen stoßen.

Versuche zunächst, beim ausatmen das Schließen und Heben des Beckenbodens vom After über die Vagina zur Harnröhre  (vom Steißbein zum Schambein „zusammenziehen“) zu spannen und einatmend wieder locker zu lassen. Wiederhole dies etwa 15 bis 20-mal. Im weiteren Verlauf kannst du die Spannung auch für mehrere Sekunden halten und unabhängig von der Atmung arbeiten. Wichtig ist dabei, nicht immer 100% zu geben. Spanne mal weniger fest und mal fester an. Achte außerdem gut darauf, dass der Beckenboden auch entspannt.

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Übung 2: Variationen der Knie-Ellenbogen-Lage

Gehe in den Vierfüßlerstand und setze dann die Ellenbogen dort auf, wo zuvor die Hände waren. So ist der Oberkörper leicht schräg mit dem Becken als höchstem Punkt. Starte hier mit einigen Wiederholungen isolierter Beckenboden-Anspannung (Kegelübung). 

Nimm dir dann einen kleinen Gymnastikball oder ein gefaltetes Kissen zwischen die Knie. Mit der Ausatmung hebst du den Beckenboden nach innen oben und gib Druck auf den Ball / das Kissen. Dies stärkt vor allem den vorderen Bereich des Beckenbodens und kann gegen eine Blasensenkung helfen. 

Um die Übung noch intensiver zu machen, hebst du nach dem Druck auf den Ball deine Knie 1-2 cm vom Boden ab. Achte darauf, dass du vorab deinen Bauch auch etwas aktivierst, gedanklich den Bauchnabel nach innen ziehst und den Beckenboden dabei nicht verlierst oder er nach außen unten gedrückt wird.

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Übung 3: Die Schulterbrücke

Diesen Klassiker aus dem Pilates kennt vermutlich jede*r! Trotzdem muss sie nicht langweilig sein und ist ein effektives Training für deinen Beckenboden und Blasensenkung. Denn sie schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: durch das erhöhte Becken bekommt die Blase die Gelegenheit, wieder in ihre natürliche Position zu gehen und du kannst deinen Beckenboden trainieren.

Man kann die Brücke in vielen verschiedenen Varianten ausführen. Ich zeige dir hier meine liebste Variante für Anfänger*innen: Du benötigst einen kleinen Gymnastikball oder ein gefaltetes Handtuch. Lege dich auf den Rücken mit angestellten Beinen, sodass die Knie gebeugt sind. Ausatmend aktivierst du alle Muskelschichten des Beckenbodens nach innen oben – so als wolltest du den Urinstrahl anhalten – und gibst sanften Druck auf den Ball. Dann hebe dein Becken mit geradem Rücken nach oben ab. Die Oberkörper und Oberschenkel bilden nun eine Linie. Anschließend Becken langsam wieder absenken und lässt die Spannung im Beckenboden erst wieder los, wenn dein Becken auf dem Boden liegt.

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Hilfsmittel und zusätzliche Tipps

Welche Hilfsmittel können das Training unterstützen?

Beim Beckenbodentraining gibt es einige Hilfsmittel, die das Training unterstützen und intensivieren können. Dazu gehören:

Biofeedback-Geräte. Sie können ärztlich verordnet werden und dienen dazu, das Bewusstsein für die Beckenbodenmuskulatur zu verbessern. Auch Elektrostimulation kann eine Option sein, besonders wenn es schwerfällt, die Beckenbodenmuskeln bewusst anzuspannen. Diese Hilfsmittel sind effektive Ergänzungen, um die Muskulatur des Beckenbodens zu kräftigen.

Außerdem sind Pessare Hilfsmittel bei Blasenschwäche, Blasensenkung oder anderen Problemen. Sie sind aus medizinischem Silikon, haben viele verschiedene Formen und werden in die Scheide eingeführt. Dort stützen sie die inneren Organe Blase, Gebärmutter und Enddarm. Die kann die Gebärmuttersenkung, Blasensenkung oder Darmsenkung ein wenig stützen den Bändern und Bindegewebe, die sie stützen, Zeit zur Regeneration geben. Sie können außerdem helfen, Urinverlust beim Husten oder Niesen zu verringern.

Gewichte, die in die Vagina eingeführt werden, also z.B. Vaginalkonen, Liebeskugel o.ä. sind dagegen nicht Mittel der Wahl bei bereits bestehendem Beschwerden am Beckenboden. Der Beckenboden ist ja meist schon geschwächt und soll dann noch zusätzlich mit Gewicht belastet werden? Keine gute Idee.

Wie oft und wie lange sollte man trainieren?

Für ein effektives Beckenbodentraining ist Regelmäßigkeit entscheidend.

Beginne, dir eine Routine aufzubauen, die du in deinem Alltag bewältigen kannst. Starte mit bewusster Ansteuerungen, damit du besser lernst, den Beckenboden zu spüren. Dann nimm nach und nach schwerere Übungen für die Bauchmuskeln und den gesamten Körper dazu.Die Trainingseinheiten können kurz sein, etwa 10-15 Minuten pro Einheit, aber die Regelmäßigkeit ist wichtiger als die Dauer. Es ist wichtig, dass du beim Beckenbodentraining über einen langen Zeitraum dabei bleibst, auch wenn schon erste Erfolge sichtbar sind. Ein starker Beckenboden benötigt kontinuierliches Training, genau wie der Rest des Körpers.

Fehler vermeiden beim Beckenbodentraining

Einer der häufigsten Fehler, die ich erlebe, wenn mich Frauen für Personal Training kontaktieren ist, dass sie ihre Körpermitte falsch aktivieren oder zu fest. Oft kommt nach dem Rückbildungskurs der Drang, wieder „mehr“ zu machen. Doch der Körper ist vielleicht noch nicht so weit, was sich bspw. über die Beckenbodenschwäche oder Rückenschmerzen beim Babytragen bemerkbar macht. Demgegenüber steht die Belastung im Alltag oder im Training. Dann sucht der Körper sich Kompensationen, um der Belastung gerecht zu werden. Wenn du deine Übungen richtig und kontinuierlich durchführst, wirst du Erfolge erzielen, dich wieder stabiler fühlen und wahrscheinlich auch deine Sportart wieder ausüben können. Dafür braucht es jedoch leider Geduld.

Beckenbodentraining beginnen

Manche Frauen haben Schwierigkeiten, das Training zu beginnen, weil sie aufgrund der Blasensenkung besorgt sind oder einfach nicht wissen, wie sie beginnen sollen. Hier komme ich mit pelveasy ins Spiel. Zunächst kannst du dir bei mir ein Beratungsgespräch buchen, damit du all deine Fragen zu deinen Beschwerden rund um Beckenboden und Rektusdiastase stellen kannst. Wir erarbeiten gemeinsam einen Weg, den du gehen kannst. Wenn du dir sicher bist, dass du deine Beschwerden im Personal Training mit mir gemeinsam verbessern möchtest, melde dich telefonisch oder per Mail bei mir und wir lernen uns unverbindlich kennen. Solltest du lieber in einen Kurs gehen, ist mein Präventionskurs Beckenboden-Fit der richtige Startpunkt für dich. 

Ich freue mich, dich auf deinem Weg ein Stück zu begleiten.

Deine Carina