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Ratgeber zum Beckenboden

Der Beckenboden ist eine Schicht von Muskeln, die den unteren Bereich des Beckens abschließt. Diese Muskeln sind entscheidend für die Kontrolle der Blase, des Darms und für die sexuelle Funktion. Ein starker und flexibler Beckenboden ist wichtig für die Vorbeugung verschiedener gesundheitlicher Probleme und unterstützt den Körper in vielen alltäglichen Aktivitäten.

verspannter Beckenboden

Verspannter Beckenboden: 6 Anzeichen und wie du ihn entspannst

3. November 2026/0 Kommentare/in Beckenboden, Blasenschwäche / Inkontinenz/von Carina Gerlach

Verspannter Beckenboden: 6 Anzeichen, dass dein Beckenboden Entspannung braucht

Du hältst deinen Beckenboden für schwach und trainierst ihn deshalb immer härter. Du machst fleißig deine Beckenbodenübungen, spannst bewusst an und versuchst, deine Körpermitte zu stärken. Doch deine Beschwerden werden einfach nicht besser? Vielleicht liegt das Problem gar nicht darin, dass dein Beckenboden zu schwach ist. Vielleicht ist er zu angespannt.

Ein Beckenboden, der dauerhaft unter Spannung steht, kann seine eigentlichen Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen. Dazu gehört nämlich nicht nur, dass er sich kräftig anspannen kann. Er muss genauso gut wieder loslassen können.

In diesem Artikel zeige ich dir sechs Anzeichen, die auf einen verspannten oder überaktiven Beckenboden hinweisen können. Außerdem erfährst du, warum mehr Beckenbodentraining nicht immer die richtige Lösung ist und wie du deinen Beckenboden entspannen kannst.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische oder physiotherapeutische Untersuchung, Beratung oder Behandlung. Die beschriebenen Symptome können Hinweise auf einen überaktiven bzw. verspannten Beckenboden sein, stellen jedoch keine Diagnose dar. Sie können auch andere Ursachen haben. Wenn du entsprechende Beschwerden bei dir bemerkst, lass diese bitte ärztlich oder durch eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapeutin abklären.

 

Was bedeutet ein verspannter Beckenboden überhaupt?

Unser Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe, die den unteren Abschluss unseres Beckens nach unten bilden. Er stützt unsere Beckenorgane, hilft dabei, Urin und Stuhl zu halten und spielt eine wichtige Rolle bei der Sexualfunktion. Außerdem muss der Beckenboden entspannen können – für Toilettengang, penetrativen Sex und die Geburt.

Damit er diese Aufgaben erfüllen kann, muss er verschiedene Fähigkeiten mitbringen:

  • Er muss sich bewusst anspannen und Kraft entwickeln können.
  • Er muss nach einer Anspannung wieder vollständig loslassen können.
  • Er muss auf unterschiedliche Belastungen reagieren und sich anpassen können.
  • Er muss sich bei Bedarf dehnen und nachgeben können.

Ein gesunder Beckenboden ist also nicht einfach nur ein möglichst kräftiger Beckenboden, er reguliert seine Spannung angepasst an die Situation.

Bei einem überaktiven oder verspannten Beckenboden ist die Grundspannung der Muskulatur häufig erhöht. Die Muskeln können nicht mehr ausreichend entspannen. Teilweise fällt es den betroffenen Frauen sogar schwer, die Muskulatur überhaupt bewusst loszulassen.

Das kann verschiedene Beschwerden verursachen. Besonders häufig betreffen diese die Blasen- und Darmentleerung, die Sexualfunktion und den Beckenbereich.

Wichtig: Eine erhöhte Muskelspannung lässt sich nicht allein anhand von Symptomen feststellen. Die folgenden Anzeichen können Hinweise darauf sein, sind aber keine Diagnose. Auch andere Ursachen kommen infrage.

 

6 Anzeichen, die auf einen verspannten Beckenboden hinweisen können

1. Du möchtest Pipi machen, aber es kommt erstmal nichts

Du sitzt auf der Toilette, spürst, dass deine Blase voll ist, aber der Urinstrahl lässt auf sich warten? Das kann ein Hinweis darauf sein, dass dein Beckenboden nicht ausreichend entspannen kann. Damit du deine Blase entleeren kannst, muss sich die Beckenbodenmuskulatur einschließlich der Schließmuskulatur koordinieren und loslassen. Ist die Muskulatur dauerhaft angespannt oder arbeitet sie beim Wasserlassen nicht richtig mit, kann es zu Schwierigkeiten beim Starten des Urinstrahls kommen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer erschwerten Miktion. Natürlich können dahinter auch andere Ursachen stecken. Beispielsweise Veränderungen im Bereich der Harnwege, neurologische Probleme oder bestimmte Medikamente. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung bei Urolog*in oder Gynäkolog*in sinnvoll.

2. Du hast das Gefühl, dass deine Blase nach dem Toilettengang nicht vollständig leer ist

Du warst gerade auf der Toilette, stehst auf und hast trotzdem das Gefühl, dass noch etwas in deiner Blase ist? Vielleicht stehst du auf und es tröpfelt noch etwas nach. Auch dieses Gefühl kann mit einem überaktiven Beckenboden zusammenhängen. Wenn sich die Muskulatur beim Wasserlassen nicht ausreichend entspannt, kann die Blasenentleerung erschwert sein. Manche Frauen berichten deshalb von einem unvollständigen Entleerungsgefühl oder müssen kurze Zeit später erneut zur Toilette.

Wichtig ist hier die Unterscheidung: Das Gefühl, dass die Blase nicht vollständig leer ist, bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich Restharn in der Blase verbleibt. Das lässt sich bei Bedarf medizinisch durch eine Ultraschalluntersuchung nach dem Wasserlassen überprüfen. Eine andere Ursache kann auch eine Blasensenkung sein. Deshalb rate ich dir unbedingt, das ärztlich abklären zu lassen, wenn du regelmäßig Schwierigkeiten mit der Blasenentleerung hast.

3. Du hast Verstopfung oder musst beim Stuhlgang pressen

Ein Punkt, den viele Frauen gar nicht mit ihrem Beckenboden in Verbindung bringen, ist die Verdauung.

Unser Beckenboden ist nämlich auch an der Darmentleerung beteiligt. Damit der Stuhl problemlos ausgeschieden werden kann, muss sich die Muskulatur im Beckenboden entspannen und den Weg freigeben. Kann sie das nicht ausreichend, kann die Entleerung erschwert sein. Du hast vielleicht das Gefühl, dass der Stuhl nicht richtig herauskommt, musst stark pressen oder sitzt ungewöhnlich lange auf der Toilette.

Auch Verstopfung kann in diesem Zusammenhang auftreten.

Es entsteht manchmal ein regelrechter Kreislauf: Weil die Darmentleerung schwierig ist, wird stärker gepresst. Das kann die Beschwerden wiederum verstärken.

Allerdings ist nicht jede Verstopfung auf einen verspannten Beckenboden zurückzuführen. Auch Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Medikamente oder Erkrankungen des Verdauungstrakts können eine Rolle spielen. Ein kleiner Tipp für deinen nächsten Toilettengang: Stelle deine Füße auf einen kleinen Hocker, sodass deine Knie etwas höher stehen als deine Hüfte. Lass dir Zeit und versuche, nicht aktiv zu pressen. Stattdessen versuche besser, über eine Ausatmung den Darminhalt nach außen zu schieben.

4. Du hast Schmerzen am Steißbein

Steißbeinschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Neben Verletzungen, Narbenbildung durch einen Dammriss,  längeren Sitzphasen oder Problemen im Bereich der Wirbelsäule kann auch die Beckenbodenmuskulatur beteiligt sein.

Einige Muskeln des Beckenbodens setzen direkt am Steißbein an. Ist die Muskulatur dort dauerhaft angespannt oder druckempfindlich, kann das zu Schmerzen im Bereich des Steißbeins führen. Manche Frauen spüren die Beschwerden vor allem beim Sitzen, andere beim Aufstehen oder bei bestimmten Bewegungen.

Gerade wenn die Schmerzen länger bestehen oder immer wiederkehren, lohnt sich eine genauere Untersuchung. Dabei sollte nicht nur das Steißbein selbst betrachtet werden, sondern auch die umliegende Muskulatur und der gesamte Beckenbereich.

5. Du hast Schmerzen beim penetrativen Sex

Schmerzen beim Sex sind nicht normal und sollten nicht einfach hingenommen werden. Auch ein Glas Wein zur Entspannung – das leider immer noch empfohlen wird mancherorts – ist keine Lösung! Wenn du beim Eindringen Schmerzen verspürst, kann auch ein überaktiver Beckenboden dahinterstecken. Die Beckenbodenmuskulatur muss sich beim penetrativen Sex anpassen und ausreichend nachgeben können. Ist sie dauerhaft angespannt, kann die Dehnung unangenehm oder sogar schmerzhaft sein. Manche Frauen beschreiben das Gefühl, als würde der Körper regelrecht zumachen.

Allerdings gibt es viele weitere mögliche Ursachen für Schmerzen beim Sex. Dazu gehören beispielsweise Endometriose, Vulvodynie, hormonell bedingte Veränderungen der Schleimhäute oder Narben nach Geburtsverletzungen.

Deshalb ist es wichtig, die Beschwerden nicht nur auf einen verspannten Beckenboden zu schieben. Eine gynäkologische Untersuchung und gegebenenfalls eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie können helfen, die Ursache einzugrenzen und anzugehen.

6. Du hast Schmerzen im Bereich des ISG, der Symphyse oder eine steife Hüfte

Du hast immer wieder Schmerzen im unteren Rücken, im Bereich des Iliosakralgelenks (ISG) oder am Schambein? Deine Hüfte fühlt sich unbeweglich an und du hast das Gefühl, dass du dich nicht richtig frei bewegen kannst? Auch hier kann die Beckenbodenmuskulatur eine Rolle spielen.

Der Beckenboden arbeitet nicht isoliert. Er ist Teil eines komplexen Zusammenspiels mit der Bauchmuskulatur, dem Zwerchfell und der Rückenmuskulatur. Auch die Hüft- und Beckenmuskulatur steht in enger funktioneller Verbindung mit ihm.

Eine dauerhaft erhöhte Muskelspannung kann deshalb mit Beschwerden im Becken- und Hüftbereich einhergehen. Besonders bei chronischen Beckenschmerzen werden Zusammenhänge zwischen überaktiver Beckenbodenmuskulatur und Schmerzen im unteren Rücken oder in der Hüftregion beschrieben.

Allerdings sind Schmerzen am ISG oder an der Symphyse und eine eingeschränkte Hüftbeweglichkeit keine spezifischen Anzeichen für einen verspannten Beckenboden. Hier kommen auch orthopädische, gelenkbezogene oder andere muskuläre Ursachen infrage.

 

Warum mehr Beckenbodentraining nicht immer die Lösung ist

Wenn du Beschwerden mit deinem Beckenboden hast, liegt der Gedanke nahe, dass du ihn kräftigen musst. Schließlich hört man überall, wie wichtig ein starker Beckenboden ist.

Und ja, Beckenbodentraining kann sehr sinnvoll sein. Es ist aber nicht automatisch die richtige Maßnahme für jede Frau und jede Beschwerde.

Stell dir vor, du hast einen Muskel, der bereits dauerhaft angespannt ist. Wenn du diesen Muskel immer wieder zusätzlich anspannst, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, sich ausreichend zu entspannen, kann das die Problematik verstärken.

Genau das kann bei einem überaktiven Beckenboden passieren.

Reine Kegelübungen, bei denen du deinen Beckenboden bewusst anspannst und wieder loslässt, sind dann möglicherweise nicht zielführend. Zunächst muss die Fähigkeit zur Entspannung wieder verbessert werden.

Das bedeutet nicht, dass du deinen Beckenboden grundsätzlich nicht mehr kräftigen darfst. Es bedeutet, dass du zunächst herausfinden solltest, was dein Beckenboden tatsächlich braucht.

Beckenboden entspannen: Was kannst du tun?

Wenn du mehrere der genannten Beschwerden bei dir wiedererkennst, würde ich dir empfehlen, genauer hinzuschauen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Entspannungsfähigkeit deines Beckenbodens zu unterstützen. Entscheidend ist, dass du nicht einfach wahllos Übungen ausprobierst, sondern herausfindest, was zu deinen Beschwerden passt.

1. Lass deinen Beckenboden untersuchen

Mein erster Tipp ist eine Untersuchung bei einer spezialisierten Beckenbodenphysiotherapeutin, beispielsweise einer Physio Pelvica Therapeutin. Sie kann beurteilen, wie dein Beckenboden arbeitet, ob eine erhöhte Muskelspannung vorliegt und ob du deine Muskulatur ausreichend entspannen kannst.

Dabei geht es nicht nur darum, wie kräftig dein Beckenboden ist. Auch die Koordination, die Beweglichkeit und die Fähigkeit zum Loslassen spielen eine wichtige Rolle.

Je nach Beschwerden kann zusätzlich eine ärztliche Abklärung sinnvoll oder notwendig sein. Insbesondere bei Schwierigkeiten mit der Blasenentleerung, anhaltenden Schmerzen oder Verdauungsproblemen solltest du nicht ausschließlich auf Übungen setzen, sondern auch ein*e Ärzt*in zu Rate ziehen. Gynäkolog* in oder Urolog*in sind da die richtige Anlaufstelle.

2. Achte auf dein allgemeines Stresslevel

Unser Beckenboden reagiert auch auf Stress und Anspannung. Wenn du im Alltag ständig unter Strom stehst, weil du Arbeit, Haushalt und Kinder jonglierst, wenig Pausen machst und Schwierigkeiten hast, zur Ruhe zu kommen, kann sich das auf deine Muskelspannung auswirken.

Das bedeutet nicht, dass Stress automatisch einen verspannten Beckenboden verursacht. Er kann aber ein Faktor sein, der bestehende Beschwerden verstärkt.

Versuche deshalb, bewusste Ruhephasen in deinen Alltag einzubauen. Gerade wenn du viel Verantwortung trägst und dich zwischen Familie, Beruf und Alltag aufreibst, ist das nicht immer einfach. Trotzdem ist es wichtig.

3. Nutze deine Atmung, um den Beckenboden zu entspannen

Eine Möglichkeit ist die bewusste Verbindung von Atmung und Beckenbodenbewegung. Nimm dir beispielsweise ein paar Minuten Zeit und lege dich bequem hin.

Beobachte zunächst deine Atmung. Versuche dann, mit der Einatmung deine Rippen in alle Richtungen weit werden zu lassen. Lass auch deinen Bauch weich werden. Mit der Einatmung bewegt sich das Zwerchfell nach unten. Der Beckenboden gibt dieser Bewegung normalerweise nach und senkt sich ebenfalls leicht ab. Bei der Ausatmung bewegt er sich wieder nach oben. Du musst dabei nichts aktiv nach unten drücken. Es geht vielmehr darum, die natürliche Bewegung wahrzunehmen und deinem Beckenboden die Möglichkeit zu geben, loszulassen.

4. Baue sanfte Bewegung und Mobilisation ein

Auch Mobilisationsübungen für Becken, Hüfte und Wirbelsäule können sinnvoll sein. Bewegungen wie Beckenkreisen oder die Mobilisation der Wirbelsäule können dir helfen, wieder mehr Beweglichkeit und Körperwahrnehmung zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, möglichst weit in eine Dehnung zu gehen oder einen bestimmten Muskel mit Gewalt zu lockern. Vielmehr sollst du dich wieder freier bewegen können. Bei den Frauen, die ich im Personal Training betreue, war es oft so, dass es nicht die eine Übung gab, die Linderung verschaffte. Es war oft die Kombination aus mehreren Bewegungen, die hilfreich war.

 

Häufige Fragen zum Thema Beckenboden entspannen

Woran erkenne ich, dass mein Beckenboden verspannt ist?

Mögliche Hinweise sind Schwierigkeiten beim Starten des Urinstrahls, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, Verstopfung, Schmerzen beim penetrativen Sex oder Schmerzen im Beckenbereich. Auch Schwierigkeiten, den Beckenboden bewusst loszulassen, können auf eine erhöhte Muskelspannung hindeuten. Diese Symptome sind allerdings keine Diagnose. Eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapeutin kann deinen Beckenboden untersuchen und seine Funktion beurteilen.

Welche Übungen helfen, den Beckenboden zu entspannen?

Die bewusste Verbindung von Atmung und Beckenbodenbewegung, Mobilisationsübungen für Becken und Hüfte sowie individuell angepasste Entspannungsübungen können hilfreich sein. Wichtig ist, dass du nicht aktiv nach unten presst. Ziel ist es, die natürliche Entspannungsfähigkeit deines Beckenbodens zu fördern.

Sollte ich bei einem verspannten Beckenboden auf Kegelübungen verzichten?

Wenn dein Beckenboden bereits eine erhöhte Grundspannung aufweist und Schwierigkeiten beim Loslassen hat, ist zusätzliches Anspannungstraining möglicherweise nicht der richtige erste Schritt. Zunächst sollte die Entspannungsfähigkeit verbessert werden. Ob und wann ein gezieltes Training mit Kegelübungen sinnvoll ist, hängt von deinem individuellen Befund ab.

Kann ein verspannter Beckenboden Inkontinenz verursachen?

Ja, eine überaktive Beckenbodenmuskulatur kann mit verschiedenen Blasenbeschwerden einhergehen. Dazu gehören beispielsweise ein erschwertes Wasserlassen, Harndrang oder auch Inkontinenz. Ein Beckenboden, der dauerhaft angespannt ist, kann unter Umständen nicht mehr angemessen auf Belastungen reagieren. Inkontinenz hat allerdings viele mögliche Ursachen und sollte entsprechend abgeklärt werden.

Fazit: Ein gesunder Beckenboden braucht beides

Ein starker Beckenboden ist nicht automatisch ein gesunder Beckenboden. Er muss nicht nur Kraft entwickeln können, sondern auch entspannen, nachgeben und sich an unterschiedliche Belastungen anpassen können.

Wenn du Schwierigkeiten beim Wasserlassen hast, unter Verstopfung leidest, Schmerzen beim Sex verspürst oder immer wieder Beschwerden im Becken- und Hüftbereich hast, kann eine erhöhte Muskelspannung eine mögliche Erklärung sein.

Das bedeutet aber nicht, dass diese Symptome automatisch auf einen verspannten Beckenboden zurückzuführen sind. Sie sind Hinweise, die du ernst nehmen solltest.

 

Du hast Fragen zu deinem Beckenboden oder möchtest wieder beschwerdefrei und belastbar trainieren?

Ich unterstütze dich gerne dabei, herauszufinden, wo du stehst und wie dein individuelles Training aussehen kann.

Melde dich gerne für ein unverbindliches Kennenlerngespräch. Ich freue mich, von dir zu hören!

Deine Carina


Quellen und weiterführende Literatur

[1] Faubion SS, Shuster LT, Bharucha AE. Recognition and Management of Nonrelaxing Pelvic Floor Dysfunction. Mayo Clinic Proceedings. 2012;87(2):187–193. Zum Fachartikel

[2] Cleveland Clinic: Hypertonic Pelvic Floor. Zum medizinischen Überblick

[3] European Association of Urology: Guidelines on Chronic Pelvic Pain, Kapitel Management. Zu den Leitlinien

[4] Urologic Manifestations of Nonrelaxing Pelvic Floor Dysfunction: Insights on Clinical Workup and Management. 2025. Zum Fachartikel

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Levator-Abriss – die kaum bekannte Geburtsverletzung

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Levator-Avulsion

Du hörst diesen Begriff Levator Avulsion heute zum ersten Mal? Kein Problem, ich werde dir alles Wichtige darüber in diesem Blogartikel erklären.

Was ist eine Levator Ani Avulsion?

Definition Levator Ani

Der sog. Levator Ani (=Afterheber) ist unser innerster Beckenbodenmuskel. Er ist kleidet unser Becken innen wie eine Schale aus. Er setzt vorne an den Schambeinen an und zieht in mehreren Muskelsträngen nach hinten zu Kreuz- und Steißbein. Er hat eine „schräg nach hinten-unten gewölbte unvollständige Trichterform“ [1].

Levator Ani

B

Wie du siehst, hat der Levator eine etwa fächerförmige Form, die durch seine drei verschiedenen Faserzüge entsteht: der Musculus puborectalis, der M. pubococcygeus und der M. iliococcygeus. Diese Faserzüge lassen in der Mitte das sog. Levator-Tor (Hiatus levatorius) frei. Hier treten die Harnröhre und die Vagina durch die Beckenbodenmuskeln hindurch.

Funktion des Levators

Der Levator stützt und hält die Organe des kleinen Beckens – Harnröhre, Vagina und Enddarm an ihrer Stelle. Außerdem unterstützt er die Stuhlkontinenz und trägt zur Funktion der Bauchpresse bei. Zudem hebt der Levator den After beim Stuhlgang an und stellt sich etwas steiler. So kann der Darminhalt leichter entleert werden.

Wie entsteht eine Avulsion?

Ein Abriss des Levators entsteht meist durch eine vaginale Geburt. Beim Durchtritt des Köpfchens des Babys durch den Beckenboden wird dieser massiv überdehnt – über das Dreifache seiner normalen Länge! [2] Gerade der vordere Bereich des Levator-Tors wird stark gedehnt und kann dann an der Symphyse abreißen. [3] Er kann einseitig abreißen – der Anteil auf der anderen Seite bleibt intakt – oder auf beiden Seiten.

Bei durchschnittlich 22% der Gebärenden kommt es zu einer LA [4].

Levator-Avulsion (Copyright: Carina Gerlach)

Risikofaktoren

In den letzten Jahren wurden viele Studien durchgeführt, um herauszufinden, welche Risikofaktoren für eine LA es gibt. Eine aktuelle Metaanalyse vom Mai 2024 [4] fasst die Studienergebnisse/Risikofaktoren wie folgt zusammen:

  • Zangengeburten
  • Saugglocken- Geburt
  • Verletzung des Analschließmuskels unter der Geburt
  • Alter der Mutter bei Geburt

Bei einer Zangengeburt im Vergleich zu einer spontanen Vaginalgeburt ohne Intervention ist das Risiko einer LA um das Sechsfache erhöht, bei einer Saugglockengeburt um das Doppelte!

Weitere Risikofaktoren sind:

  • längere Austreibungsphase = letzte Phase der Geburt
  • Gewicht des Babys über 4000 g
  • größerer Kopfumfang des Babys
  • Einsatz des Kristeller-Handgriffs [5]

Folgen eines Abrisses

Ist der Levator vorne am Schambein auf einer oder beiden Seiten abgerissen, beeinträchtigt das die Stabilität des Beckenbodens enorm.  Insbesondere für die Stützung von Blase und Gebärmutter ist dies nachteilig. Je größer die Öffnung des Levator-Tors (der Hiastus), desto schlechter ist die Unterstützung der Organe [3].

Symptome einer Levatoravulsion

Woher weiß ich, dass ich einen Abriss habe – diese Frage begegnet mir häufig, wenn ich mit Frauen darüber spreche.

Symptome können ähnlich einer Organsenkung sein:

  • Schweregefühl im Bereich der Vagina – manche Frauen sagen regelrecht, sie haben das Gefühl, dass ihnen ihre „Organe rausfallen“
  • Urininkontinenz
  • Schwierigkeiten, den Beckenboden zu aktiveren
  • das Gefühl, keinen Zugriff auf den Beckenboden zu haben
  • Gefühl einer geweiteten Vagina, insbesondere beim Sex

Solltest du eines oder mehrere dieser Symptome haben, geh zu einem/einer spezialisierten Gyn und lasse dich untersuchen. Dies gilt insgesamt, wenn du Symptome des Beckenbodenmuskels hast – trau dich und hole dir Hilfe.

Wie wird Levator Avulsion diagnostiziert?

In der Regel stellt man die Diagnose LA über einen 3D- Ultraschall. Der Ultraschallkopf wird dabei außen auf den Damm aufgesetzt, damit die Beckenboden-Muskulatur gut sichtbar wird. Ein MRT kann auch zur Diagnostik genutzt werden, wird in der Praxis aber eher selten eingesetzt.

Erfahrene Beckenbodentherapeut*innen oder Ärzt*innen können einen Abriss auch bei einer vaginalen Untersuchung tasten.

Trotzdem muss man sagen, dass eine LA leider oft unerkannt bleibt. 

Was sind die Behandlungsmöglichkeiten für Levator Ani Avulsion?

Heilungsprozess und Rehabilitation

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein abgerissener Muskel bzw. eine Sehne sich immer in Richtung seines Ursprungs zurückzieht. Der Levator reißt vorne am Schambein ab und zieht sich dann nach hinten Richtung Steißbein zurück.

Die aktuelle Studienlage über den Prozess der Rehabilitation ist nicht eindeutig. Eine randomisierte Studie, bei der Frauen mit vollständiger LA in eine Trainingsgruppe mit einmal wöchentlich Beckenboden-Kurs und tägliches Training zu Hause und in eine Kontrollgruppe (keine Intervention) eingeteilt wurden, zeigte, dass sich in beiden Gruppen die Zahl der Frauen mit LA reduzierte. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant [6]. Dies lässt darauf schließen, dass es bei einigen Frauen (in dieser Studie 39%) zu einer natürlichen Remission der LA kommen kann.

Außerdem wird diskutiert, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Levatoravulsion und einer Organsenkung gibt. Eine Überischtsarbeit aus 2022 versuchte dies zu beurteilen. Insgesamt kommen die Autor*innen zu dem Schluss, dass die Qualität der vorliegenden Daten (aus 12 betrachteten Studien mit > 2500 Frauen) niedrig bis moderat ist und weitere Forschung benötigt wird. Sie kommen auf Basis dieser Daten zu dem Fazit, dass eine LA nicht als Risikofaktor für das Wiederauftreten einer Organsenkung gilt [7]. Eine prospektive Längsschnittstudie aus dem Jahr 2020, die über 400 Frauen 5-10 Jahre nach ihrer ersten Geburt und dann jährlich untersuchte, ergab im Gegensatz dazu, dass Organsenkungen statistisch signifikant mit einer LA assoziiert waren. Die Autor*innen ziehen das Fazit, dass das mit dem vergrößerten Hiatus und der schwächeren Beckenbodenmuskulatur zu tun hat. [8]

Mir erscheint dieser Zusammenhang auch logisch: ein verletzter, gar abgerissener Muskel kann weniger Kraft aufbringen als ein intakter Muskel. Betrachtet man den Hintergrund, dass der Levator – der innerste Beckenbodenmuskel – eben auch dafür verantwortlich ist, die inneren Organe zu stützen – scheint es nicht abwegig, dass ein Abriss dieses Muskels zu einer Organsenkung führen kann. Wissenschaftlich abschließend bewiesen ist dies aber noch nicht.

Übungen zur Stärkung des Beckenbodens

Trotzdem solltest du jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn du betroffen bist. 🙂

Ein individuelles Training des Beckenbodens hilft natürlich trotzdem, eine gewissen Grundstabilität wieder aufzubauen. Dies kannst du zunächst – auf Verordnung eines Gyns – in der Physiotherapie bei einer spezialisierten AG GGUP Therapeutin tun. Anschließend kannst du dein Training selbstständig zu Hause oder mit mir im Personal Training weiterführen. Wir können schauen, wo du stehst und wo du hin willst und ich gebe mein Bestes dafür, dass es wieder möglich ist.

Beginne dein Beckenbodentraining mit sanften Übungen und Rücken- oder Bauchlage. Die folge kannst du sehr gut auch schon im Wochenbett absolvieren:

Pessare

Ein Pessar – der „Sport-BH für untenrum“ wird vaginal eingeführt und stützt deine Blase, Vagina und Enddarm von innen. Es kann helfen, die Symptomatik deiner LA zu reduzieren. Auch wenn manche Frauenärzt*innen noch heute behaupten, Pessare seien nur etwas für ältere Frauen, stimmt das so nicht! Lass dich nicht verunsichern. Es gibt heutzutage sogar schon Pessare, die man früh nach der Geburt tragen kann. Lass dich gerne von einer kompetenten, spezialisierten Physio und/oder Gyn dazu beraten.

Chirurgische Interventionen

Es gibt Versuche, den Levator-Abriss operativ wieder anzunähen – ähnlich wie man es bei einer Achillessehnen-Ruptur macht. Der Gedanke ist, die Aufhängung des Muskels in der Operation an der Hinterseite der Schambeine zu rekonstruieren und den Levatorschaden so zu verbessern. 

Das Deutsche Ärzteblatt schreibt dazu: „Bis heute sind nur wenige chirurgische Verfahren zur Korrektur von Levator-Avulsionen publiziert worden. So gab es in Australien den Versuch, transvaginal den Muskel mittels eines synthetischen Netzstreifens am Ramus inferior ossis pubis zu fixieren. Die objektiven Ergebnisse waren jedoch eher ernüchternd. Deutsche Forscher haben unlängst eine eigene, ebenfalls transvaginale Operationsstrategie entwickelt.“ [5]

Stand heute gibt es also die Idee, mit einer Operation den Abriss zu heilen, aber keine gesicherte Methode, die routinemäßig angewandt werden könnte. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass der Levator von außen schwer zugänglich ist.

Wie kann man das Risiko von Levator Ani Avulsion minimieren?

Wie du siehst, sind die therapeutischen Maßnahmen für eine Avulsion aktuell begrenzt. Umso wichtiger scheint es, in der Geburtshilfe eine LA möglichst zu verhindern.

Aufklärung und Vorbereitung auf die Geburt

Vielen Frauen sind die Risiken natürlicher Geburten für ihren eigenen Körper nicht so gut bewusst – waren sie mir in meiner ersten Schwangerschaft übrigens auch nicht. Deshalb gehört es für mich unabdingbar dazu, Frauen umfassend aufzuklären und auf die Geburt vorzubereiten. Nur so kann man informierte Entscheidungen treffen. Es gibt z.B. den URCHOICE-Rechner, der wertneutral darstellt, wie hoch das individuelle Risiko einer Frau für Beckenbodenschäden durch Schwangerschaft und Geburt ist. 

Richtige Techniken während der Geburt

Meist wird Frauen bei vaginalen Geburten gesagt, sie sollen pressen, damit das Kind geboren werden kann. Mit schieben wäre aber die bessere Option und wird heutzutage immer mehr angeleitet. Doch was ist der Unterschied?!

Beim Pressen wird die Luft angehalten , dies führt zum sog. Valsalva-Manöver. Dabei erhöht sich der intraabdominelle Druck und der Beckenboden aktiviert mit. Obwohl er eigentlich entspannen sollte, damit er weiter gedehnt werden kann und das Baby gut daran vorbei gleiten kann. So kann es zu Geburtsverletzungen oder zur Schädigung der Beckenbodenmuskulatur kommen.

Beim schieben unterstützt du den Weg des Babys mit der Atmung.  Du als Frau kannst dem Impuls zu schieben nachgeben und wirst nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt x angehalten, zu pressen. Dies kann den Levator schützen.

Fazit

Eine Levatoravulsion ist eine Geburtsverletzung, die häufig übersehen oder sehr spät diagnostiziert wird.  Frauen sollten meiner Meinung nach gut auf ihren Körper hören nach der Geburt. Falls einer der o.g. Risikofaktoren unter der Geburt bestand und Symptome wie Inkontinenz auf treten, empfehle ich, frühzeitig eine*n spezialisierte*n Gyn aufzusuchen.

Bist du von einer Levatoravulsion betroffen und benötigst Begleitung in deinem Aufbautraining? Kontaktiere mich gerne und wir schauen, wie wir zusammenarbeiten. Ich freue mich von dir zu hören.

Kontaktiere mich

Deine Carina


Quellen:

[1] Tittel, Kurt: Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen, 14. Auflage, München, Urban & Fischer Verlag, 2003, S. 175.

[2] Lien KC, Mooney B, DeLancey JO, Ashton-Miller JA. Levator ani muscle stretch induced by simulated vaginal birth. Obstet Gynecol. 2004 Jan;103(1):31-40. doi: 10.1097/01.AOG.0000109207.22354.65. PMID: 14704241; PMCID: PMC1226707. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1226707/ 

[3] Handa VL, Roem J, Blomquist JL, Dietz HP, Muñoz A. Pelvic organ prolapse as a function of levator ani avulsion, hiatus size, and strength. Am J Obstet Gynecol. 2019 Jul;221(1):41.e1-41.e7. doi: 10.1016/j.ajog.2019.03.004. Epub 2019 Mar 15. PMID: 30885773;  PMCID: PMC6592735. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6592735/ 

[4] Woon Wong, Ka et al.: Obstetric risk factors for levator ani muscle avulsion: A systematic review and meta-analysis. European Journal of Obstetrics and Gynecology and Reproductive Biology, Volume 296, 99 – 106

[5] Albrich, Stefan, Baessler, Kaven, Fink, Thomas: Avulsion nach vaginaler Geburt: Der Levator ist kaum zu ersetzen. Dtsch Arztebl 2024; 121(23): A-1512 / B-1276.

[6] Hilde G, Stær-Jensen J, Siafarikas F, Engh ME, Bø K. Postpartum pelvic floor muscle training, levator ani avulsion and levator hiatus area: a randomized trial. Int Urogynecol J. 2023 Feb;34(2):413-423. doi: 10.1007/s00192-022-05406-z. Epub 2022 Nov 23. PMID: 36418566; PMCID: PMC9870957.

[7] Yeung E, Malacova E, Maher C. Is levator ani avulsion a risk factor for prolapse recurrence? A systematic review and meta-analysis. Int Urogynecol J. 2022 Jul;33(7):1813-1826. doi: 10.1007/s00192-022-05217-2. Epub 2022 May 10. PMID: 35538253; PMCID: PMC9270296.

[8] Handa VL, Roem J, Blomquist JL, Dietz HP, Muñoz A. Pelvic organ prolapse as a function of levator ani avulsion, hiatus size, and strength. Am J Obstet Gynecol. 2019 Jul;221(1):41.e1-41.e7. doi: 10.1016/j.ajog.2019.03.004. Epub 2019 Mar 15. PMID: 30885773; PMCID: PMC6592735.

FAQ:

Was ist eine levator ani avulsion und wie entsteht sie?

Eine levator ani avulsion ist eine ernsthafte Verletzung des Beckenbodens, bei der ein Teil Beckenbodenmuskulatur teilweise oder vollständig abgerissen wird. Sie tritt häufig während vaginaler Geburten auf, insbesondere bei der Anwendung von Hilfsmitteln wie der Saugglocke oder der Zange. Diese Verletzung kann zu langfristigen Problemen wie Inkontinenz und Beckenbodenschmerzen führen.

Wie häufig tritt eine levator ani avulsion auf?

Rate von levator ani avulsion bei vaginalen Geburten zwischen 10% und 20% liegen kann, abhängig von verschiedenen Risikofaktoren, wie z.B. der Anzahl der Geburten und der Verwendung von geburtshilflichen Instrumenten. Diese Verletzungen sind oft unterdiagnostiziert, da sie nicht immer sofort während der Geburt erkannt werden.

Welche Symptome deuten auf eine levator ani avulsion hin?

Zu den häufigsten Symptomen einer levator ani avulsion gehören Inkontinenz, Schwere-/Senkungsgefühl und Schwierigkeiten den Beckenboden zu aktivieren.

Pinkeln unter der Dusche – harmlos oder ein Problem?

10. Dezember 2024/1 Kommentar/in Allgemein, Beckenboden, Blasenschwäche / Inkontinenz/von Carina Gerlach

Wenn ich mit meinen Personal-Training-Klientinnen oder Kursteilnehmerinnen über das optimale Toilettenverhalten spreche, kommt eine Frage immer wieder auf: Ist Pipi machen unter der Dusche okay?

Lass es mich gleich vorab sagen: Es kommt darauf an. 😉

Lass uns das etwas genauer anschauen:

Wie funktioniert Pipi machen?

Beim Pinkeln gibt es ein komplexes Zusammenspiel zwischen Blase, Blasenmuskel (M. detrusor) und der Beckenbodenmuskulatur. Während die Blase sich füllt, entspannt sich der Blasenmuskel, damit sie sich weiter füllen kann. Gleichzeitig erhöht der Beckenboden kontinuierlich seine Spannung, damit wir kontinent bleiben.

Wollen wir die Blase nun leeren, entspannt der Beckenboden sich, während der Blasenmuskel rundherum anspannt. Du kannst es dir sinnbildlich wie bei einem Luftballon vorstellen: Du bläst ihn auf und hältst ihn unten zu (= Blase füllt sich). Lässt du die Öffnung los, zieht er sich zusammen und die Luft geht raus (= Blase leert sich).

Toilette vs. Dusche

Wenn du auf der Toilette sitzt, kann sich der Beckenboden komplett entspannen, der Detrusor kann die Blase problemlos leeren, der Urin fließt einfach raus.

Stehen wir jedoch beim Pinkeln in der Dusche, kann der Beckenboden sich nicht komplett entspannen. Darum muss der Blasenmuskel „schwerer arbeiten“ und gegen den Widerstand des Beckenbodens arbeiten. Machst du das regelmäßig, kannst du dir damit schaden. Es kann Restharn in der Blase bleiben, was u.a. zu Blasenentzündung oder Infektionen führen kann.

Was hat Harndrang damit zu tun?

Der Drang, auf die Toilette zu müssen, entsteht eigentlich im Gehirn, wenn die Blase zu einem gewissen Grad gefüllt ist. Aber auch andere Dinge wie Wassergeräusche können ihn auslösen.

Stell dir nun folgendes Szenario vor: Du pinkelst häufig im Stehen in der Dusche. Irgendwann wirst du merken, dass der Harndrang sofort einsetzt, wenn du das Wasser aufdrehst. Dann spürst du den Harndrang auch, wenn du bspw. am Meer bist oder an einem Springbrunnen vorbeiläufst. Was zunächst harmlos war (ab und zu mal in die Dusche pinkeln), hat sich durch Konditionierung des Körpers auf das Wassergeräusch zu einem Problem entwickelt.

Welche Folgen kann das haben?

Reagiert die Blase auch bei geringer Füllmenge mit Harndrang (der auch plötzlich auftreten kann), spricht man von einer überaktiven Blase oder OAB. Manche Betroffene schaffen es dann trotzdem noch rechtzeitig und „trocken“ zur Toilette; bei anderen kann der Beckenboden dem Druck des kontrahierenden Blasenmuskels nicht mehr standhalten und der Urin tritt unkontrolliert aus (sog. Drang-Inkontinenz).

Je öfter man die Blase entleert, wenn sie nur leicht gefüllt ist, desto eher verringert sie ihr Füllungsvolumen. Sie meldet also immer früher, dass sie „voll“ ist. Ein Teufelskreis…

Hinzu kommen die psychischen Folgen dieser Drangproblematik. Wenn man immer die Gefahr des plötzlichen Urinverlusts im Hinterkopf hat, führt dies zu Stress.

Wie kann ich das behandeln?

In der akuten Situation kann dir Folgendes helfen:

  • ruhige und längere Kontraktionen des Beckenbodens
  • Atmung vertiefen, entspannen
  • Druck auf die Klitoris geben
  • Verzögerungsstrategie entwickeln: Wie kannst du dich geistig ablenken, um den Drang etwas hinauszuzögern?
  • beruhigend mit der Blase sprechen
  • Oberschenkel zusammendrücken = Adduktorenbremse

Zur dauerhaften Therapie der Drangproblematik sind geeignet:

  • Beckenbodentraining mit Fokus auf langsame, ruhige Anspannungen
  • viel trinken
  • auf blasenreizende Getränke wie Alkohol, Kaffee, Grapefruitsaft etc. zunächst am besten verzichten. Zu diesen Getränken dazu viel Wasser trinken
  • allgemeines Stresslevel im Blick haben und Entspannungstechniken einüben
  • ggf. medikamentöse Therapie auf ärztliche Verordnung

Fazit

Wenn du grundsätzlich mit deinem Beckenboden keine Probleme hast, ist es nicht dramatisch, wenn du ab und zu unter der Dusche Wasser lässt. Bist du aber bereits vorbelastet durch eine Drang- oder andere Symptomatik, solltest du regelmäßiges Pipi machen unter der Dusche besser vermeiden.

Wenn du dich für ein Personal Training mit mir entscheidest, frage ich in der Anamnese auch immer deine Toilettengewohnheiten ab. Was zunächst für die ein oder andere Frau befremdlich wirkt, hat später einen großen Effekt, wenn sie ihre Gewohnheiten verändert hat und Beschwerden sich bessern.

Hast auch du Interesse an einem Personal Training in Gießen mit mir? Willst du endlich dein Malheur mit dem Beckenboden in den Griff bekommen? Du kannst dir noch heute ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen. Falls du konkrete Fragen zu deinen Beschwerden hast und wissen willst, wie du damit am besten umgehst und an welche Fachperson du dich zunächst wenden sollst, dann ist mein 30-minütiges Beratungsgespräch das Richtige für dich.

Ich freue mich, von dir zu hören.

Deine Carina

Faszien im Beckenbodentraining – Warum Faszientraining für den Beckenboden wichtig ist

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